Basel-Stadt hat in den letzten Jahren ein Revival der Wohnbau-Genossenschaften erlebt. Diese haben in der Bevölkerung einen guten Ruf. Zu recht. Dennoch wird die kantonale Förderung der Genossenschaften von bürgerlicher Seite unter Beschuss genommen (z.B. hier). Aber: Wer ökologischen und dauerhaft bezahlbaren Wohnraum will, sollte unbedingt auf Genossenschaften setzen.

Soziale Durchmischung besser

Hartnäckig halten sich urbane Legenden über Genossenschaften. „Da wohnt ja nur der cüplitrinkende Mittelstand“, sagt ein VR-Mitglied einer Immo-Invest-Firma im persönlichen Gespräch. Die soziale Durchmischung sei in Genossenschaften ganz schlecht. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) hat 2017 eine Studie veröffentlicht, in der gemeinnütziges Wohnen mit Miete und Eigentum verglichen wird. Der Anteil von Menschen mit tieferem beruflichen Status ist bei den Gemeinnützigen viel höher. Die Cüplitrinker tummeln sich beim Eigentum. Das ist auch nicht weiter verwunderlich: Genossenschaftswohnungen sind langfristig 30 Prozent günstiger als vergleichbare Wohnungen auf dem freien Markt (siehe dazu die Zahlen des Stat. Amtes BS). Und damit für den unteren Mittelstand auch bezahlbar.

Ökologie besser

Auch nach ökologischen Kriterien sind Genossenschaften im Vorteil. Der Klimastreik Basel schreibt in seinem Aktionsplan wieso: „Der Erfolg [bei der Energieeffizienz von Gebäuden] wurde leider durch eine Zunahme der Wohnungsfläche pro Person zunichte gemacht.“ Das gilt nicht für Genossenschaften, sie sind viel platzeffizienter. Der Aktionsplan des Klimastreik weist auf einen weiteren Punkt hin: „Dass heute genossenschaftliches Wohnen statistisch energie- und platzeffizienter als konventionelles Wohnen ist, hängt nicht zuletzt mit mehr Mitspracherecht der Wohnenden bezüglich Nebenkosten (z.B. Heizkosten) zusammen. Da bei konventionellen Mietformen die Mietenden heute die gesamten Nebenkosten tragen, ist es für Eigentümer*innen nur mässig attraktiv, die Nebenkosten und damit die Umweltbelastung zu senken.“

Dauerhaft bezahlbare Kostenmiete besser

Das neue Schlagwort in Basel-Stadt ist „Preisgünstigkeit“. Dieses Konzept wird von Regierung, Behörden und Investoren ins Feld geführt, wenn bei Neubauflächen gemeinnütziger, bezahlbarer Wohnraum gefordert wird. Das Immo-Beratungsunternehmen Wüest Partner hat für das Klybeckareal in Basel die Quadratmeter-Preise gemäss Kostenmietenmodell berechnet. Selbst direkt nach der Erstellung kommen die Preise bei Kostenmiete tiefer zu liegen als nach der behördlichen Preisgünstigkeitsdefinition (siehe Bild). Wobei noch dazu kommt, dass preisgünstig in Abhängigkeit vom Markt definiert ist (preisgünstig = 25 Prozent unter der Medianmiete). Der Witz dabei: Steigen die Mieten – und in Basel explodieren sie derzeit geradezu – dann wird „preisgünstig“ sehr schnell teurer. Die Kostenmiete der Genossenschaften hingegen bleibt mehr oder weniger stabil. Eben dauerhaft bezahlbar.

Quelle: Studie von Wüest-Partner zum Klybeckareal im Rahmen der juristischen Anfechtung der Initiative „Basel baut Zukunft“ durch Immokreise.

Bildquellen: BWO

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